Zusammengestellt von H.-Dieter Georg. Die Auswertung bezieht sich auf die Beiträge von Hans Immich-Spier „ Der Ursprung der Enkircher Mühlen“ im Buch „Anchiriacum-Enkirch 733-1983“.

Mühlen "Im Alten Tal"

Eingang Strasse "Im Alten Tal"
An den ersten Gebäuden linke Seite, etwa 50 m, stand eine Ölmühle, deren Existenz aber nur durch Überlieferung bekannt ist. Diese Mühle, wie alle die in diesem Tal standen, hatten einen unterschlächtigen Antrieb. Das heisst, das Wasser lief unter dem Wasserrad her, es waren Laufwasserantriebe. Dieser Antrieb brauchte etwa die doppelte Wasserkraft wie eine oberschlächtige Mühle, wo das Wasser von oben auf das Wasserrad lief.

Getreidemahlmühle Bartz
Eine Getreidemühle, die bis etwa 1970 in Betrieb war, ursprünglich ebenfalls mit Wasserkraft angetrieben wurde, dann mit Elektrobetrieb bis zum Schluss lief. Die Mühle wurde komplett ins Freilichtmuseum Bad Sobernheim verbracht und soll dort aufgebaut werden.

Ölmühle Immich
Bis etwa 1950 war diese Mühle noch betriebsfähig, bis wann hier noch gemahlen wurde ist nicht bekannt. Die Besitzer sind unter dem Spitznamen Olischmüller (Ölmüller) bekannt geworden.

Mühlen in der "Maatschel"

Lohmühle der Rotgerber - Familie Immich (Koppe Otto)
Lohmühlen waren Häckselmühlen in denen die Rinde von abgeschälten Eichenknüppel zerkleinert wurde. Mit Wasser versetzt, in grossen Erdbottichen gelagert, diente die Brühe zum gerben von Rotleder (Rindleder). Die Rotgerber hatten hier eine Mitglieder starke Zunft. Die Weissgerber, ebenfalls eine grosse Zunft, haben den Beufsnamen als Familiennamen übernommen. Die Weissgerber verarbeiteten nur feine Leder wie Ziegen- oder Schweinleder und brauchten dazu Alaun. Diese Familie hiess früher Klock oder Klockener.

Im weiteren Bereich dieses Tales bis in den Bereich "in der Mühle" waren insgesamt 3 Mühlenteiche mit weiteren 2 Mühlen, einer Ölmühle und einer Walkmühle. Die Daten dieser Mühlen sind nicht bekannt.


Walkmühlen ...
waren Mühlen, die mit Hammerwerken ausgestattet waren und in denen frisch gewebter Leinen und Leder weichgeklopft wurde, weil dieses Material nach dem weben oder gerben bretthart war und sich nicht verarbeiten liess.

Mühlen im Bereich "in der Mühle"

1. Gerhardsmühle, 2. Ravengiersburger- oder Gemeindemühle,
3. Storkemühle

Hier waren 3 Mühlen, zwei Getreidemahlmühlen und eine Ölmühle. Ganz rechts sind noch die Reste einer Mühle zu sehen. Die Strasse die zum Ort hoch führt ist der Mühlweg, der im oberen Teil an einem "Mühlentor" endete, dass bis zum Ende des 17. Jahrh. dort stand. Die zwei linken Gebäude waren - ganz links die Storkemühle urspünglich als Getreidemühle gebaut, später Gemeindemühle als Getreidemühle. Alle drei waren von einem Mühlteich abhängig, der in Höhe der katholischen Kirche begann. Da die Gemeinde das Recht in Anspruch nahm als erster mahlen zu dürfen gab es jahrelange Prozesse um das Wasserrecht, weil die beiden anderen Mühlen das Nachsehen hatten wenn nicht mehr genügend Wasser vorhanden war um mahlen zu können.

Mühlen "im Tal"

Dampfmühle:
Ca. 1870 erbaute und mehrfach umgebaute Mühle mit Mahl- und Schrotgang. Im Laufe der Zeit waren insgesamt 3 Wasserräder vorhanden, dazu eine Turbine zur Stromerzeugung und zum Antrieb der Mühle. Weiterhin gab es noch eine Dampfmaschine u. a. zum Antrieb einer Dreschmaschine. Nach dem 2. Weltkrieg wurden diese Anlagen komplett ausgebaut. So wie die Antriebe gewechselt haben wechselten auch die Namen des nebenfstehenden Lokales. Um 1900 war es das "Gasthaus Krone", später das "Gasthaus zum kühlen Grunde" und seit einigen Jahren das "Hotel Dampfmühle".

Bendermühle und Schneidmühle:
1679 erbaute Mahlmühle, später umgebaut zur Öl- und Walkmühle, 1783 wieder als Mahlmühle in Betrieb, ab 1835 als Genossenschaftsmühle bis 1953 in Betrieb, danach verfallen.
Daneben die Schneid- oder Sägemühle ebenfalls mit Wasserantrieb vor 1758 gebaut, von dem ersten Besitzer durch "Liederlichkeit" verkommen lassen und mit Genehmigung des "Gräflich Gratzichen Amtskellner Stumm" wieder aufgebaut, mit Dampfmaschinen Antrieb und später auf elektrischen Betrieb umestellt. Die Sägemühle ist heute noch betriebsfähig.

Mühlen im "Ahringstal"
(frühere Bezeichnung Argentztal,-bach. Argentz = lat. Silber).
Oberhalb der Starkenburger Mühle befand sich ein Blei- und Silberbergwerk.


Klostermühle:
Eine 1599 begonnene und 2 Jahre später fertig gestellte Mahlmühle, die 1910 als Sägemühle umgebaut wurde, mit Dampfmaschinenantrieb versehen und bis etwa 1970 damit betrieben wurde. Wegen mehrerer Brände wurde der Betrieb eingestellt. Diese Mühle gehörte nicht zum Kloster sondern erhielt den Namen wegen der Nähe zum Kloster.

Herrenmühle:
1783 von Peter Gollmann, dem Alten, als Ölmühle gebaut, 1830 an Georg Heinrich Immich verkauft, zur Mahlmühle umgebaut und als Gesellschaftsmühle mit 20 Gesellschaftern übernommen. Zur Mühle gehörte eine Wohnung für den damaligen Müller. Da die Besitzer der besseren Gesellschaft nicht selbst mahlen konnten, wurde ein Müller eingestellt. Die Mühle ist nach 1960 eingegangen und zum Wohnhaus umgebaut worden.

Rote Mühle:
Gesellschaftsmühle 1832 mit 24 Mitgliedern in Betrieb genommen, 1962 wieder eingestellt.

Zwischen Roter Mühle und Schlossmühle:
Schlemmermühle:
Besitzer war Sebastian Schlemmer der eine Ölmühle zur Mahlmühle erweitert hatte und auf Druck der damaligen Herrschaften diese Mühle 1704 wieder komplett abreissen musste.

Schlossmühle, Starkenburger Herrschafts-, Ahrings-, Kloningers-,
Gesemannsmühle:
Alle Namen gelten für diese eine Mühle, die als älteste Mühle auf der Enkircher Gemarkung gilt. Sie gilt als Bannmühle der Sponheimer, solange diese auf der Starkenburg ansässig waren. Nach dem Umzug auf die Grevenburg (1355) kam sie in Gemeinde Besitz. Da die Entfernung nach Enkirch zu gross ist, wechselt die Mühle mehrfach die Besitzer. Nach 1763 wird sie von Wendel Kloninger gekauft, der der Mühle zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhielft, da u. a. Bier gebraut wird, das Land rund um kultiviert wird, eine Tresterbrennerei entwickelt und betrieben wird, für die die Gebrüder Kloninger ein Patent erhalten.
Mitten in diese blühende Wirtschaftlichkeit kam es im August 1875 zur Katastrophe. In der Nähe von Kirchberg tobte nachts ein Wolkenbruch der ungeheure Wassermassen freisetzte. Die grössten Wassermassen ergossen sich durch das Hahnenbachtal nach Kirn, wo 40 Personen ertrunken sind. Zwei andere Ablauftäler waren dann einmal das Grossbachtal und das Ahringsbachtal. Die Kloningersmühle wurde zu 2/3 zerstört und nicht wieder aufgebaut, was dann das Ende der ältesten Mühle auf Enkircher Gemarkung war. Im Laufe des weiteren Wasserablaufes wurde in Enkirch das damalige Gasthaus Kölsch, Standort des heutigen Hotel Steffensberg, komplett zerstört und weggeschwemmt.
1920 kaufte der Kunstmaler Heinrich Gesemann die Gebäudereste der ehemaligen Mühle und errichtete ein Atelier. Gesemann starb 1939 und hinterliess zahlreiche Gemälde und Zeichnungen, die heute auf dem Kunstmarkt hoch gehandelt werden. Nach dem Krieg übernahm seine Frau die Mühle und schafft es bis in die 50er Jahre nach gründlicher Renovierung ein Erholungsheim zu unterhalten.

Ahrings-, Starkenburgermühle:
Genossenschaftsmühle, 1723 erbaut, bis nach 1945 mit 18 Mitgliedern funktionsfähig aber dann aufgegeben und zum Wochenendhaus umgebaut (Brügmanns Mühle).

Obere Starkenburgermühle:
Im 18. Jahrh. erbaute Gesellschaftsmühle, bis heute lauffähig. Diese Mühle nimmt jedes Jahr am Deutschen Mühlentag an Pfingstmontag mit Aktionen wie mahlen und Brotbacken teil.

Im Ahringstal war dies die letzte Mühle!

Mühlen "Im Grossbachtal"

Neumühle:
1694 als Ölmühle erbaut, eine Getreidemahlmühle wurde nicht zugelassen. 1800 Einbau einer Gipsmühle, 1801 Einbau eines Mahlgangs für Getreide, dazu kam eine Schälmühle (Rollgang, um u. a. Gerste zu rollen, d. h. von den Schalen zu trennen) Hanfreibe und Brauhaus für eine Bierbrauerei. 1814 erfolgte der Einbau einer Branntwein Brennerei, die bis zum ersten grösseren Umbau zum Hotel in Betrieb war. Die Brennerei ist heute im neuerbauten Nachbarhaus angesiedelt.

Walkmühle, die zur Neumühle gehörte:
Diese Mühle war schon vor 1694 bekannt und gehörte zur Neumühle. Der Standort war etwa 50 m oberhalb der Neumühle direkt am Bach.

Schompenmühle:
Eine Mahlmühle die wahrscheinlich schon im 16. Jahrh. bestand. Die Familie Schomp gilt als eine der ältesten in Enkirch und wird bereits im 14. Jahrh. genannt.

Grossbachmühle:
1834 erbaute Gesellschaftsmühle, bis 1962 regelmässig in Betrieb, auf Grund der Unterhaltungskosten und weil nur noch 6 von 29 Mitgliedern mahlten, wurde der Betrieb ganz eingestellt. Durch Querelen mit der Gemeinde, die danach Eigentümer war und keinerlei Interesse an der Mühle zeigte, kam es zum fast vollständigen Verfall der Mühle.
1983 gründete sich ein "Verein zur Rettung der Grossbachmühle" mit 9 Mitgliedern. Im gleichen Jahr wird der Vereinsname geändert in "Grossbachmühlen-Gesellschaft Enkirch e. V." Der Verein besass nun schon 19 Mitglieder. Die bestehende Ruine wurde von Grund auf erneuert, das nicht mehr vorhandene Innenleben aus einer anderen Mühle angekauft und im Laufe von fast 20 Jahren in eine mahlfähige Mühle verwandelt. Am 29.04.2000 war Premiere für den ersten Lauf mit einem Mahlgang. Ein zweiter Mahlgang soll noch eingerichtet werden. Seit dieser Zeit sind regelmässige Teilnahmen am "Deutschen Mühlentag" und "Tag des Denkmals" durchgeführt worden.
Die Mitgliederzahl beträgt heute 25.

Die Mühle im "Monteneubeltal"

Donnermühle:
Weit ab von den vorhandenen Mühlen, stand am Ortsausgang Richtung Burg eine um 1830 gegründete Genossenschaftsmühle, die an einem sehr kleinen Bachlauf gebaut wurde. Der Name Donnermühle ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass in der Regel nur dann gemahlen werden konnte, wenn sich Gewitter ankündigten und mit starkem Regen gerechnet werden durfte.
Es soll oft vorgekommen sein, dass der Genosse mit seinem Getreide wieder verschämt nach Hause gefahren ist, weil zwar ein Gewitter war, aber kein oder zu wenig Regen gefallen ist um mahlen zu können. Die Mühle ist dann um 1920 auf Elektrobetrieb umgestellt worden und war bis etwa 1960 in Betrieb.
Heute ist sie als Wochenendhaus umgebaut.